In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Donnerstag 14. April 2011, 11:50

Was passiert einem - in der Gemeinschaft der echten Freunde - wenn es einem richtig schlecht geht?
Sie werden dann da sein!
Sie werden sich für dem Freund, dem es schlecht geht, heilsam aufopfern! Aufopfern!
Sie werden ihn nicht alleine lassen und nicht fallen lassen.
Und das wird für sie nicht leicht werden!
Kostet sie viel!
Und so und nur so werden schwere Lebenslagen erträglich.
Wenn die Freunde auch dann noch wirklich ganz da sind, dann wird sogar Heil zu spüren sein!
Doch wer hat solche Freunde? Dann noch, wenn es so sehr drauf ankommt?
Wo findet man solche Freunde?
Woher weiß man, dass sie auch in schlimmsten Lebenslagen noch so dasein werden, wie man sie dann so sehr brauchen würde? Ersehnen würde?
Stell Dir vor, Du hast Krebs.
Und keiner ist dann da, ich meine wirklich da.
Keiner hat Zeit!
Keiner ein Herz, das an Deinem Herzen ist.
Keiner hält Deine Hand.
Keiner weint Deine Tränen mit Dir und keiner Deine Angst und Deinen Schmerz gemeinsam mit Dir.
Auch unter uns Christen kann man sich alleine und verlassen erleben...
Wollen wir das ändern?
Es werden vielleicht in meinem eigenen Leben Zeiten kommen, in denen ich ganz unten sein werde. In denen ich Freunde brauchen
werde, die sich aufopfern! Die sich ihre Liebe zu mir etwas kosten lassen werden!
(Oder andersherum im Leben meiner Freunde - dass sie ebenso mich ganz arg brauchen!!!)
Dass ich dann mitten in den schwersten nur vorstellbaren Lebenssituationen dennoch Liebe und ein tiefes inneres Heil und Heilsein
spüre und erleben werde - warum? Weil die Freunde auch dann noch bei mir sind!
Ganz sicher sicher bei mir sind! Das wäre kostbar!!
Es reichen dann keine schönen und freilich auch gut gemeinten Sprüche.
Dann ist der Freund selbst gefragt! Not-wendig, denn seine Liebe wendet die Not, wenigstens die innere!!
Sein ganzes Herz, sein ganzes Leben ist bei dem leidenden Freund. Und leidet dessen Leid mit - als sein eigenes! Ureigenstes. Auf diesen Weg des Miteinanders möchte ich mich begeben!! Schwer! Kostbar! Wunderbarer als wir es heute erleben...
Die meisten Menschen, auch die meisten Christen sind inmitten ihrer Gemeinden aber dennoch so allein, zu allein, zu sehr verlassen von ihren sogenannten
Freunden und "Geschwistern", dann noch zu alleine, Verlassenen, wenn die tiefste Nacht sie treffen wird...
Wer will das ändern?
Wollen wir das ändern, damit keiner mehr in den schmerzhaftesten Nächten seines Lebens mehr alleine ist, sondern echte Freunde mehr als nur an seiner
Seite haben darf?!
Hofft und fragt
Euer Thomas
thomas.thiele
 
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von Salzstreuer » Donnerstag 14. April 2011, 12:13

Ersteinmal ist der einfachste Weg solche Freunde zu finden anderen so ein Freund zu sein. Vom Jammern darüber wie schlecht die Welt doch ist ändert sich ja nichts, dabei können wir alle etwas ändern.
thomas.thiele hat geschrieben:Sie werden sich für dem Freund, dem es schlecht geht, heilsam aufopfern! Aufopfern!
Sie werden ihn nicht alleine lassen und nicht fallen lassen.

Und es ist immer wieder erstaunlich, daß das dann andere Leute sind als die von denen man es vorher gedacht hätte.
Sein ganzes Herz, sein ganzes Leben ist bei dem leidenden Freund. Und leidet dessen Leid mit - als sein eigenes! Ureigenstes. Auf diesen Weg des Miteinanders möchte ich mich begeben!!

Das liest sich für mich furchtbar. Ich will nicht, daß jemand "aus Solidarität" mit mir leidet.
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Freitag 15. April 2011, 11:00

Vielleicht willst Du das nicht, dass jemand aus Solidarität mit Dir mitleidet, dass Dein Leid sich wirklich auf seine und Deine Schultern verteilt.
Aber: Vielleicht brauchst Du es in bestimmten Lagen...
Und dann soll jemand an Deiner Seite sein!
Jammern darüber, wie negativ es einem ergehen kann? Ich tue es, damit es nicht so bleibt.
Aber: Ja, ich jammere, weil ich es schlimm finde, was Menschen an Einsamkeit in schweren Lebenssituationen durchleben müssen - und dann ist kein Freund
mehr wirklich da!
Freilich hast Du Recht: Es gilt, selber ein solcher - guter - Freund für andere zu sein und noch viel mehr zu werden!
So sehr ich Freund für andere Menschen sein und werden möchte, so sehr will ich auch zugeben, dass ich auf Freunde, die echt sind, angewiesen bin
und wie sehr auch ich sie brauche!
Es liest sich furchtbar, weil Schmerzen eben auch wirklich wehtun, auch die eines echten Freundes!
Aber man kann es auch positiv, heilsam und als "voller Heil" lesen: Da sind Freunde bei einem und das Schwere, das auch da ist, wird so leichter...
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von Salzstreuer » Freitag 15. April 2011, 11:46

Wenn du davon ausgehst, daß Leid tatsächlich geteilt werden kann, dann kann man es schon in die Richtung "der eine trage des anderen Last" verstehen. Aber kann man Leid teilen?
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Freitag 15. April 2011, 20:03

Man kann, wenn man möchte...
Die Alternative könnte sein: In der Nacht allein zu sein.
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Wie Jesus

von thomas.thiele » Samstag 16. April 2011, 12:45

Jesus geht ins Dunkel - ganz - mit hinein, glaube ich! Er (der Unsichtbare) will in jedes Leiden, in jede Nacht, in jede Hoffnungslosigkeit, in jede Angst usw. usw. mit hinein gehen. Niemanden darin alleine lassen. Tut er es nicht auch durch Menschen, die an der Seite ihrer Mitmenschen sein werden, dann, wenn es drauf ankommt?!
Auch darum ist es mir persönlich wichtig, es auch so zu wagen.
Ich schaffe es nicht, in 100 Schicksalen und Schicksalsschlägen, leider nicht für 100 Menschen, würde daran selbst zerbrechen.
Aber für einen "begrenzten" Freundschaftskreis ist genau das untereinander möglich.
Und würde spätestens dann wichtig, wenn ein solcher Schicksalsschlag uns trifft..!
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von Salzstreuer » Samstag 16. April 2011, 13:56

Wenn man möchte?

Nehmen wir mal an, ich habe mir das Bein gestoßen und es tut weh. Kann ich diesen Schmerz mit jemandem teilen in dem Sinne, daß durch das Teilen mein Schmerz abnimmt? Ich wüßte nicht wie.
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Samstag 16. April 2011, 16:37

Du bist freilich ein besonderer Mensch..! (nicht negativ gemeint, das weißt Du ja!!)
Es geht nicht um's Knie! Zu banal. Zu harmloses "Leiden"!
Sondern darum, wie wir helfend, mittragend Freund sein könnten - von Mensch zu Mensch und eben im "räumlichen" und
im inneren einander Nahesein/Nähersein - und zwar dann, wenn es einem Freund, einer Freundin existentiell schlecht geht.
Wenn der nimmer kann!
Wer hält Deine oder meine Hand, wenn Du oder ich völlig verkrebst im Sterben liegen?
Vielleicht brauchst Du keine Hand. Völlig okay!
Ich aber vielleicht schon! Ganz dringend. Nicht nur eine Hand, sondern das Herz eines Freundes, einer Freundin, meiner Frau, meiner drei Söhne... Dringend.
Wer wird dann ganz da sein? Wird mich ein Freundeskreis "umgeben"?
Wenn jemand da ist, dann ist es "geteilte Not".
Und "geteiltes Leid ist halbes Leid"... mathematisch nicht zu berechnen.
Jedenfalls hilft es mindestens etwas, mindestens..!
Das kostet die Freunde freilich viel Herzblut, Tränen und: Liebe von Mensch zu Mensch!
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von Salzstreuer » Samstag 16. April 2011, 19:43

Das mit dem Knie war nur ein Beispiel, das gerade durch seine Alltäglichkeit zum Überdenken anregen sollte.

Wenn man einen Freund aufmuntert, oder Zeit mit einem Freund verbringt, der sich mit mir weniger einsam fühlt, dann kann ich das verstehen. Aber wenn jemand an Krebs erkrankt ist, dann wird ihm dieses Leiden niemand nehmen können, es sei denn es geht um aufkommende Themen wie einen möglichen Tod, die auch sehr bewegen können und für die jemand vielleicht einen geeigneten Gesprächpartner ersehnt.

Wenn ich leide ziehe ich mich vielleicht eher zurück, was nicht bedeuten soll, daß Freunde ohne Absprache dann den Kontakt reduzieren sollten, weil ich mal sowas geäußert hatte. Es ist zudem auch so, daß manche Menschen aus dem Leiden ihre Berechtigung abzuleiten beginnen Aufmerksamkeit zu erhalten. Das sehe ich dann auch kritisch, weil es eher zu Unfreiheit und mehr Leid führt sich auf solches "Leid teilen" (tatsächlich eher Leid potenzieren) einzulassen.
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Samstag 16. April 2011, 20:14

Zieht man sich nicht auch deswegen zurück und schaut, wie man mit dem eigenen Leiden alleine, ohne Freunde klarkommt, weil man es ahnt:
Man ist eh alleine?!
Weil man befürchtet: Man wird nur wieder enttäuscht, wenn man auf Menschen hofft in schweren Lebenssituationen?
Also lieber gar nicht erst auf Freunde hoffen?
Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die in ihrem Leiden lieber nicht alleine wären.
Sondern ECHTE (echte) Freunde an ihrer Seite brauchen und erhoffen würden - wenn sie wissen, dass sie welche haben.
Aber sie erleben: Solche Freunde, die dann bleiben, die haben sie vielleicht überhaupt nicht!
Mit jedem körperlichen Leiden (z.B. Krebs) geht inneres Leiden einher.
An genau dieser Stelle setzt der Freund an der eigenen Seite und seine heilende Nähe an...
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von Salzstreuer » Sonntag 17. April 2011, 14:55

Oder zieht man sich zurück, weil man zuerst mit dem Leid sprechen will? Aber ich will deiner Annahme nicht bestimmt widersprechen. Allerdings könnte ich anderherum auch fragen, auf welche Ursachen es zurückgehen kann, daß jemand sein Leit "teilen" möchte. Vielleicht liegt das an einem allgemeinen Einsamkeitsgefühl? Daran, daß man im Alltag echte Freundschaft und Verstandenwerden nicht in weitem Umfang erlebt?

Es kann sehr lästig sein, wenn jemand ganz selbstverständlich davon ausgeht, daß Leid geteilt werden sollte. Es ist nicht immer die eigene Empfindung die einzig wahre und wenn sie das nicht ist, kann sie auch kein allgemeiner Grundsatz der Beschreibung von Freundschaft sein.
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Re: In der Nacht nicht alleine und nicht verlassen!

von thomas.thiele » Montag 18. April 2011, 18:13

Freundschaft ist nie allgemein. Immer eine persönliche Sache zwischen verschiedenen, individuellen Personen, schon klar.
Und wenn ein Freund, eine Freundin im Leid einen echten Freund an seiner Seite braucht, dann "muss" oder wird der auch da sein.
Braucht er keinen, dann natürlich nicht.
"Dann macht sein Freund sich währenddessen einen schönen Tag"... nee, es haut ja so auch nicht hin, oder..?
Ich fürchte aber, dass es nicht wenige Menschen gibt, die verdrängen, wie sehr sie in bestimmten z.B. leidvollen Lebenssituationen
auf mindestens einen Freund angewiesen wären.
Sie verdrängen es auch deswegen, weil sie (die verdrängte) Angst haben, dass dann nämlich sowieso kein Mensch mehr so bei ihnen wäre, wie es not-wendig sein würde!
Aber ich glaube grundsätzlich schon, dass ein Freund kein echter wäre, wenn er seinen leidenden Freund inmitten seines Leides alleine hocken lassen würde!!

Zwischenmenschliche Nähe kann heilsam und hilfreich sein...

Zwischenmenschliche Nähe kann stören und sie kann einem zuviel werden...

Man kann lernen auf eine gute und "passende" Weise einem anderen in schwerem Leid sehr nahe zu sein...

Es gibt ganz gewiss Lebenslagen, in denen manche Menschen ihre Freunde in räumlicher und körperlicher und in innerer Nähe brauchen, wirklich brauchen, um innerlich ein Stück heiler werden zu können.
In denen es diesen Menschen nicht genügt, z.B. eine Brieffreundschaft oder Internetfreundschaft zu haben.

Man kann als Leidender auch das lernen (wenn man das schafft in schwersten Krisensituationen; besser schon rechtzeitig zuvor, früher lernen):
Es lernen die Hilfe von echten Freunden anzunehmen. Und lernen, die tiefe Nähe eines anderen Menschen inmitten des eigenen Leids nicht nur allein zuzulassen und zu gestatten, sondern sie ganz tief anzunehmen.
Zuletzt geändert von thomas.thiele am Montag 18. April 2011, 20:03, insgesamt 3-mal geändert.
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